Symphonic Line
 
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Emotionale Intelligenz - von Tom Frantzen
Symphonic Line: Testbericht, RG 14 Edition, Stereo 01-2008
Richtig gut aufspielen können viele Vollverstärker. Symphonic Lines lange gereifter RG 14 Edition besitzt darüber hinaus noch geradezu einen Instinkt für den perfekten Klang.
     
Der nach Fünfjahresfrist (siehe STEREO 5/04) geplante erneute Test des RG14 Edition hat sich leider etwas verzögert; Denn das in der Redaktion beliebte und vielgenutzte Gerät hatte nach dem Upgrade zwar zunächst für ein "Kurz reingehört" überzeugt» Einige Zeit später aber klang es zunehmend schlechter. Und das, obwohl er ansonsten selbst teurere Amps mitunter das Fürchten lehren konnte. Symphonic Line-Chef und HiFi-Urgestein Rolf Gemein fand den Fehler in einer weggedrifteten Ruhestromeinstellung. Nach der Justage konnte es - mittlerweile gar samt der Modifikationstufe "Edition 2010" losgehen.
Es ist kein Geheimnis, dass Rolf Gemein, dessen Paar Ohren wir für eines der besten der Branche halten, eine gewisse Affinität zur fernöstlichen Lebensweise und Philosophie, etwa der Harmonielehre Feng Shui, pflegt. Gleichzeitig verfügt der Mann über drei Jahrzehnte Erfahrung mit High End-Technik und hat hier etliche Erfolge vorzuweisen. Beide Kompetenzen fließen etwa bei der Bauteilanordnung in die Produktentwicklung ein und bescheren den Fans legendäre Vorführungen. Auch wenn im Portfolio der Duisburger Firma Symphonic Line nach oben noch mehr geht, den RG 14 Edition sieht er selbst als "gehobenen Sechszylinder" und "bezahlbaren Alleskönner" Und so sind auch beim getunten Einsteigermodell "Edition", gewissermaßen der Edelausführung des 3000 Euro kostenden RG14, einige Besonderheiten zu finden, die rein technisch nur ansatzweise zu verstehen sind. Dass der RG14 eine Ableitung des Erfolgsmodells RG 9 ist, verrät schon der erste Blick unter den Gehäusedeckel. Auf die chromähnliche Aranya-Oberfläche muss "der Kleine" indes verzichten, es gibt ihn in Schwarz oder silberfarben gebürstet, dicke Frontplatte, massive Metallknöpfe sowie hochwertige WBT-Lautsprecher-anschlüsse sind dagegen auch bei ihm Standard.

Technisch superb

Die aktuelle Version "Edition 2010" des RG 14 verfügt über eine überarbeitete Phonovorstufe mit MM/MC-Umschaltung, wo der reguläre RG 14 nur mit MM-Tonabnehmern Kontakt aufnimmt. Zudem wurde die Treiberstufe des Endverstärkers verbessert, gewissermaßen beschleunigt. Bewährt haben sich die in vielen SL-Geräten eingesetzten bipolaren Toshiba-Endtransistoren, der Mu-Metall-geschirmte Ringkerntrafo als Nachschublieferant und im Verein damit die laut Rolf Gemein eigens angefertigten vier 13000-Mikrofarad-Elkos zur Pufferung und Siebung. Diese sollen eine mehrfache Kon-taktierung und einen besonders niedrigen Innenwiderstand (TAN) aufweisen, um schnelle Schaltzeiten und eine vorbildlich konstante Energieabgabe zu erzielen.
Darauf, so Gemein, komme es viel stärker an als auf eine hohe Kapazität an sich. Die vom Meister geschätzten Vorstufen-ICs gibt es am Markt nicht mehr, Als sich der Engpass abzeichnete, legten die Duisburger rechtzeitig ein Lager an, das den

  Bedarf noch auf Jahre hinaus decken wird. Die Innen Verkabelung entspricht zum Teil dem Reference-NF-Kabel aus dem Firmenprogramm, sogar das Kabel des Alps-Motorpotis- übrigens dem einzigen fernbedienbaren Bedienungselement des Amps - ist sorgsam ausgesucht und mit einem extrem schnellen Dielektrikum ausgestattet, besser noch als Teflon. Lange bevor es das Bleiverbot in Lötzinn gab, verwendete Symphonie Line zudem schon ein spezielles Silberlot, das in entsprechenden Versuchen überlegene Klangeigenschaften offenbarte.
Somit stimmt die verwendete Basistechnologie. Sie ist weitgehend konventionell, aber vom Allerfeinsten. Als zielführend für die Musikalität seiner Verstärker sieht Rolf Gemein aber die ergänzende "Resonanzmusterabstimmung" seiner Geräte. Bei dieser werden neben weiteren Maßsnahmen bestimmte Bauteile mit kleinen Bitumen-matten beklebt und mit "C37"-Speziallack schwingungsoptimiert. Damit soll eine absolute "Zeit-Energie-Kohärenz" der Signal-Verarbeitung einhergehen, die es in anderen Geräten so nicht häufig gibt. Das Ergebnis sollen eine ungebremste Energieentwicklung und -Verteilung, ein Topp-Timing "auf den Punkt" und eine ausgeprägte musikalische Rhythmik sein. Ob dieses "merkwürdige" Konzept aufgeht?

Leib und Seele der Musik

Welchen Anteil am Klangergebnis nun Philosophie oder Physik haben, ist letztlich vollkommen egal. Die "Legende", die ihn seit Jahren umgibt und schon vor fast zwölf Jahren zum Arbeitsgerät der Redaktion STEREO werden ließ, beruht ausschließlich auf dem, was dieses Gerät - nicht zu knapp - real und immer wieder verbessert an Stimmigkeit und Musikalität in den Hörraum bringt. Aus unserer Sicht ist der RG14 Edition ein audiophiler Zehnkämpfer, der Kraft und Seele miteinander verbindet. Er hat praktisch jeden Lautsprecher im straffen Griff und überzeugt durch eine große, offene Abbildung mit superben Klangfarben bei gleichzeitig hoher Präzision, Detailfreude und Körperhaftigkeit, die er aber einem enorm stimmigen ganzheitlichen Auftritt mit strukturiertem Fluss unterordnet. Davon können sich die vielleicht in Einzeldisziplinen überlegenen teureren Vollverstärker des Planeten nicht selten eine Scheibe abschneiden. So falsch kann Rolf Gemein demnach nicht liegen. Ein ganz billiges Vergnügen sind die Symphonic Line-Verstärker mit Preisen ab 3000 Euro gewiss nicht, aber man bekommt statt der üblichen Massenware von der Stange Top-Geräte, die überwiegend in Handarbeit entstanden, penibelst auf höchste Musikalität getrieben, im Detail individuell feinabgestimmt und zudem durch Upgrades zukunftssicher ausgelegt sind (siehe Kasten). Sowas nennen wir emotionale Intelligenz.

Tom Frantzen

 
Symphonic Line: handcrafted in germany, Deutschland