Symphonic Line
 
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Für Gourmets - von Stefan Gawlick
Vollverstärker von Symphonic Line erfreuen sich unter Audiophilen großer Beliebtheit: Zu Recht, wie der neue RG 9 MK 4 zeigt.
Wenn Sie zu den HiFi-, pardon Musikliebhabern gehören, die sich regelmäßig auf Messen umschauen oder sich beim Fachhändler immer wieder mal neue Geräte anhören, dann wissen Sie, dass es Komponenten gibt, die schon beim ersten Hören ausscheiden, die einfach nicht »stimmen«. Und dann gibt es das weite Feld der Geräte, die technisch »in Ordnung« sind, klanglich aber unterschiedlichen Kundenwünschen und persönlichen Klangidealen Rechnung tragen.
Verstärker von Symphonic Line heben sich deutlich von der Masse ab. Ihr Klang ist nicht das Ergebnis einer bewussten Manipulation, sondern Manifestation der fast schon fanatischen Suche eines Musikbegeisterten nach dem perfekten Musikerlebnis zu Hause. Rolf Gemein liebt Musik und lebt mit ihr, und - so untechnisch diese Aussage auch ist - das hört man seinen Verstärkern an. Ich gehe noch einen Schritt weiter und behaupte, dass man an ihrer Wiedergabe sogar merkt, dass Gemein ein Stimmen-Liebhaber ist. Und so fanden wir in einigen Gesprächen neben all der Technik sehr schnell ein gemeinsames Thema: Sänger und Opern-Aufnahmen.
Genau dieser Bereich macht vielen Geräten immer wieder Probleme. Nicht umsonst haben die Entwickler der BBC seinerzeit die menschliche Stimme als das ausschlaggebende »Signal« bei der Abstimmung ihrer Lautsprecher benutzt. Mit Verstärkern und sogar CD-Playern verhält es sich meiner Meinung nach ähnlich: Offensichtlich reicht es bei einer komplexen Stimmaufnahme nicht, wenn ein Gerät einfach »nur« sauber konstruiert ist (wobei auch das schon vielen schwerfällt), nein, es muss in sich stimmig sein, mit kundiger Hand und wissendem Ohr ab-»gestimmt« worden sein. Erst dann stellt sich der ganze Zauber einer wunderbaren Stimme ein, gesellen sich zur eigentlichen Klangmitte der Körper und das Obertonspektrum - die Illusion wird perfekt.
Des Öfteren habe ich schon Verstärker von Symphonic Line gehört, allerdings noch nie ausführlich bei mir zu Hause, also unter vertrauten Bedingungen, die es mir ermöglichen, mir eine Meinung zu bilden. Insofern freute ich mich sehr, als wir auf der High End verabredeten, einen RG 9 der aktuellen Serie ins Testvisier zu nehmen. Da ist er nun, der Symphonic Line RG 9 Mk 4. Mag sein, dass er in der matten Aluminiumversion manchem zu schlicht erscheint, mir persönlich gefällt er ausgesprochen gut in diesem unscheinbar-dezenten Outfit. Er besticht durch Werte, die nicht sofort auffallen, im täglichen Gebrauch aber umso mehr erfreuen. Die aus dem Vollen gedrehten Schalter auf der massiven Frontplatte beispielsweise geben bei jedem Benutzen ein gutes Gefühl, satt rasten oder drehen die dahinter verborgenen Schaltelemente. Auch auf der Rückseite ist für alle (unsymmetrischen) Fälle gesorgt, auch hier wieder in bestechender Qualität. Und die Cinch-buchsen sind erfreulicherweise - das ist leider immer noch nicht die Regel - mit so großen Zwischenräumen montiert, dass man auch kapitale Stecker unterbringen kann. Das gute Gefühl der Wertigkeit, das schon die Knöpfe an der Front vermittelten, wird hier fortgeführt, nicht zuletzt, weil man bei der Entwicklung an alles gedacht zu haben scheint: Selbstverständlich ist die Netzphase markiert, sämtliche Ecken sind gerade soweit verrundet, dass ihnen die Schärfe genommen ist, das Design aber noch nicht leidet. Kein Gehäuseteil klingelt, da an neuralgischen Stellen im Innern Schwerfolie zum Einsatz kommt. Zusammen mit der durchaus lesenswerten Bedienungsanleitung ergibt sich ein vollständiges Bild, das beim Kunden nachhaltig für Zufriedenheit sorgen dürfte und allenfalls von der nicht ganz standesgemäßen Plastikfernbedienung getrübt werden könnte. Da diese aber keinerlei Einfluss auf den Klang hat, vergessen wir das schnell wieder. Alles in allem verwöhnt der Symphonic Line RG9 MK 4 mit einem edlen Auftritt und weckt wohl Begehrlichkeiten.
Auch in Bezug auf das Innenleben des Vollverstärkers hat sich Rolf Gemein einiges einfallen lassen, gerade dafür ist er ja bekannt. Hier, gleichsam im Verborgenen, kümmert er sich intensiv um die Auswirkungen von Schwingungen und Resonanzen auf die Arbeitsqualität der elektrischen Schaltungen. »Resonanzmusteroptimierung« heißt das bei Symphonic Line und bedeutet, dass alle Baugruppen und -teile genau auf eben dieses Verhalten hin untersucht werden. Von pauschalen Maßnahmen hält der den fernöstlichen Energielehren zugetane Gemein nichts und geht somit jedes von ihm eingekreiste Problem mit in seinen Augen passenden Maßnahmen an. So kommen Dämpfungen, Schirmungen, Fixierungen und sogar der immer noch sehr umstrittene C37-Lack zum Einsatz - bei Symphonic Line kennt man offensichtlich keinerlei Berührungsängste.
Schraubt man den RG 9 auf, fällt als Erstes der kapitale Transformator auf, der aus schon genannten Gründen zunächst vergossen und dann - aufwendig und nicht billig - in einem Mu-Metall-topf zur bestmöglichen Schirmung versenkt wird. Separate Versorgungsspannungen beliefern Vor- und Endstufe, sodass es nicht zu gegenseitigen Beeinflussungen kommen kann. Sämtliche Spannungen werden reichlich gepuffert, um stets gleiche Verhältnisse bieten zu können. Eine Besonderheit ist die sogenannte »Doppelwellengleichrichtung« in der Endstufensektion. Hierbei werden separate Dioden zur Gleichrichtung der positiven und negativen Versorgungsspannungen eingesetzt, womit man in Duisburg ein noch klareres und dynamischeres Klangbild erreichen will. Damit alle Dynamik nicht zu harte Schläge austeilt, ist der Class-A-Bereich der Verstärkerschaltung recht großzügig ausgelegt - für das Hören bei gehobener Zimmerlautstärke soll er absolut ausreichen, lediglich bei Dynamikspitzen wird auf den Class-B-Modus HOMEgegriffen. Barbara Bonney ist zu Gast in meinem Wohnzimmer, und sie hat die schier unglaubliche Güte, einige der schönsten Stellen aus Pergolesis »Stabat Mater« zu zelebrieren. Ihre Stimme erfüllt das Zimmer, sie selbst steht direkt vor mir. Die Illusion ist fast perfekt, da es dem RG 9 gelingt, die Sängerin über ein Paar Elac 330 geradezu holographisch glaubhaft in den Raum zu projizieren. Eine Stimme schön zu übertragen, das schaffen einige Geräte der besseren Klasse. Diese absolute »Echtheit« allerdings ist nur ganz wenigen vorbehalten, und unser Proband gehört ganz offensichtlich zu diesem erlauchten Kreis. Diese Darbietung mit ihrer schwer zu beschreibenden Glaubhaftigkeit geht weit über die millimetergenaue Darstellung der Gurgel einer Sängerin hinaus. Aufgrund dieser enorm plastischen Spielweise kann man auch kleinste Drehungen des Kopfes hören, kann sehr genau nachvollziehen, wie sich Barbara Bonney im Studio bewegt hat.
Also vielleicht doch ein einlullender Schönklang? Ein gut gemachtes Verschleifen von Details zugunsten eines einschmeichelnden Tonfalls? Ein weiteres Mal muss Gustav Mahlers zweite Symphonie in der Aufnahme mit dem Concertgebouworkest herhalten. In dem komplexen Scherzo, das mit seiner vielschichtigen Instrumentierung, einem eng verwobenen Geflecht aus kurzen Einwürfen von einer überaus tief gestimmten Großen Trommel bis hin zu Piccoloflöten, schon so manche Elektronik in Erklärungsnöte brachte, behauptet sich der RG 9 souverän. Er stellt das Orchester wiederum sehr schön plastisch in einen weiten Raum, tendiert dabei aber nicht zur tonmeisterlichen Raumeinteilung mit kleinsten Phantomschallquellen. Der Symphonic Line malt mit etwas breiterem Pinsel ein emotionales Bild, das vor Energie vibriert. Wenn es also um den puren Genuss, das Erfahren der Musik mit allen Fasern und nicht um die »exakte räumliche Parzellierung« oder den »Bass für die harte Gangart« geht, dann ist dieser Vollverstärker ganz vorne dabei.
Genau dieses begeisternde »Dabeisein« vermittelt der RG9 auch wieder bei Charlie Hadens »Night In The City«. Diese sowohl musikalisch als auch klanglich wunderbare Liveaufnahme kann über den Symphonic Line ihren ganzen Charme verströmen - einige meiner Besucher werden angesichts dieser Darbietung sehr nachdenklich und überschlagen im Geiste ihre Finanzen. Ja, dieser Verstärker kann süchtig machen und tut dies auch noch auf eine eigene Art und Weise, verabreicht die »Droge Musik« sozusagen subkutan und nicht mittels platter Effekte.
Fazit:
Sie hören vorzugsweise Klassik oder Jazz, vielleicht auch Liedermacher? Musik, die mit »echten« Instrumenten gemacht wurde? Dann ist der Symphonic Line RG9 MK 4 für Sie gemacht, denn bei akustischer Musik -und vorzugsweise bei Stimmen - kann er für Erlebnisse sorgen, die es in dieser Intensität nur sehr selten gibt. Seine feinen Obertöne, die vor Energie von innen heraus glühende Darstellung der Musik, die fast holographische Projektion machen den RG 9 zu einem absoluten Leckerbissen für verwöhnte Klanggourmets. Er ist eines jener Geräte, dessen Fähigkeiten über die »technische Übertragung« im positiven Sinne hinausgehen - Gratulation.    Stefan Gawlick


 
Symphonic Line: handcrafted in germany, Deutschland