Symphonic Line
 
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Vollverstärker Symphonic Line RG 14 Edition - von Tom Frantzen: MUSIK IST TRUMPF!
Rolf Gemein geht bei der Verstärkerentwicklung anders vor als die meisten. Und schafft damit bleibende Werte mit ungewöhnlich hoher Klangqualität. Mehr alsTechnik, nämlich Emotion und Erlebnis.
von Tom Frantzen

Die erste Super-Endstufe, die ich jemals aus der Nähe sah und zudem auch hören durfte, war die Vernissage Kraft 100, Entwickler: Rolf Gemein. Und die Kette mit Infinity Reference Standard 2.5 oder 4.5 (an die anderen Komponenten erinnere ich mich nach über zwei Jahrzehnten nicht mehr) spielte göttlich! Das RAE-Studio im Aachener Osten, in das wir seinerzeit buchstäblich kilometerweit zu Fuß pilgerten, muss aus heutiger Sicht Mühe gehabt haben, uns eingefleischte HiFi-Fans und Teenager wieder loszuwerden.

Die langjährige Erfahrung Rolf Gemeins zahlt sich aus, denn auch die später unter dem Label „Symphonic Line" erschienenen Geräte und Lautsprecher transportierten stets - fernab profaner Datenblätter - eine musikalische Botschaft. Und dass der Mann hören kann wie kaum ein Zweiter, beweisen seine legendären Vorführungen auf der HighEnd ebenso wie der jüngste Besuch des Meisters hier in unseren Hörräumen, der doch tatsächlich noch zu nachvollziehbaren Verbesserungen der guten, aber nicht perfekten Lautsprecheraufstellung beitrug.
Schon deshalb freute es mich besonders, den lange Zeit als Arbeitsgerät der Redaktion genutzten Symphonic Line RG14 nun als Edition 2004 auf dem neuesten Stand der Evolution testen zu können. Genuss ist da schon beinahe vorprogrammiert, dessen kann man ziemlich sicher sein.

Äußerlich kommt dieser schwarze Amp recht unspektakulär, aber zeitlos daher, setzt nicht auf kurzlebige Trends. Er wirkt spartanisch, hat nur vier Drehknöpfe, der linke als Ein-/Ausschalter fungierend, der rechte etwas größer für die Lautstärke, dazwischen der Eingangswahl- und der Monitorschalter. Das Empfangsauge für die Fernbedienung sowie eine LED zieren die massive Front. Auf der Rückseite kann man den integrierten Phonopart zwischen MM und MC umschalten sowie Quell- und Aufnahmegerätschaften, ein Paar Lautsprecher und das speziell abgestimmte Netzkabel andocken. Das war's auch schon. Klangregler, Filter, Schnickschnack - Fehlanzeige.
Die großen Brüder des RG14, den RG9 und -mit vor allem erweiterter und leistungsfähigerer Stromversorgung - den RG10 (um3580/ 4580 Euro), gibt es seit vielen Jahren. Sie lieferten gleichsam die Vorgabe für den günstigeren RG14, der auf das kostspielige Aranya-Gehäuse verzichtet und bei dem ansonsten gegenüber dem aktuellen RG9 vor allem der Selektionsgrad der Bauteile auf ein angemessen hohes Maß gesenkt wurde. RG9 und 10 liefern etwas mehr Drive, die Verwandtschaft ist aber eng. Zufällig ist hier nicht ein Bauteil, alles wurde gehörmäßig ausgewählt. Selbst der wirksame Querschnitt des genannten Netzkabels von 3x1,5 Quadratmillimetern, denn die - so Gemein - klängen besser ausbalanciert als eine den Bassbereich generell etwas übertreibende 3 x 2,5er-Strippe. Sehr interessant!

Die Vorstufensektion des Vollverstärkers ist in vier Gruppen gegliedert: diskreter MC-Head Amp, ebenfalls diskrete MM-Phonostufe als Differenzverstärker mit Gegenkopplungsnetzwerk für die RIAA-Entzerrung, IC-bestückter Burr Brown Puffer für die Signalquelle, der dem hochwertigen Alps-Poti vorgeschaltet ist und Linear-Ausgangsverstärker (Flat Amp) in IC-Form mit nachfolgender Class A-Stufe.
Der Endstufenteil des RG14 ist -wie die seiner Brüder - mit ausgemessenen Transistoren im Spannungverstärkerteil völlig symmetrisch aufgebaut. Leerlaufverstärkung und Über-alles-Gegenkopplung sind niedrigstmöglich angesetzt. In der Schaltung werkeln am Eingang zwei Differenzverstärker, die arbeitsteilig je eine Halbwelle übernehmen. Die Kollektoren arbeiten auf eine weitere Verstärkerstufe. Diese Stromverstärkerstufe besteht aus exquisiten Toshiba-Treibern und neuerdings jeweils zwei parallel geschalteten, nicht minder hervorragenden Leistungstransistoren aus gleichem Hause. Daraus ergibt sich eine Art Super-Emitterfolger mit enormer Bandbreite, aber im Arbeitsbereich extrem linearem Verstärkungsfaktor.
Die Verwendung von WBT-Silberlot, höchstwertige Innenverkabelung, aufwändige Epoxydharzplatinen, eigenen Elkos, verraten ebenso den betriebenen Aufwand wie der magnetisch undurchlässige Mu-Metall-Ringkerntrafo. Und der zahlt sich aus.

Von der ersten Sekunde an demonstriert der RG14 seine enorme Klasse. Tiefenstaffelung, Ortung und Fokus sind frappierend echt, ohne dass Details allzu klinisch freigestellt werden. Die Musik ist ungeheuer ergreifend, das Klangbild federt geradezu, ungeahnte Nuancen von Klangfarben werden sichtbar, der Raum vibriert vor pulsierendem Leben, und man ist bei geschlossenen Augen fast versucht, sich passend zur entspannten Genießerhaltung die Sängerin zu greifen. Die dreidimensionale Abbildung durch diesen Verstärker ist derart charmant, dass Sie mir den kleinen Chauvi-Spruch hoffentlich nachsehen. Dabei ist bei allem Schmelz und aller Ästhetik stets mehr als genug Kraft da, um auch mal richtig die Pauke krachen zu lassen. Und die kracht dann auch unkomprimiert und extrem präzise. Mit diesem Verstärker dürfte man selbst mich auf die berühmte Insel schicken, so viel kann das Ding aus Duisburg.
Es gibt nicht viele HiFi-Geräte, bei denen knapp 3100 Euro langfristig so gut angelegt sein werden wie bei diesem einen. Versprochen! Der RG14 Edition ist ab sofort wieder Arbeitsgerät der Redaktion.
An der nochmaligen Steigerung der ohnehin süperben RG14-Fähigkeiten haben die neuen Treiber und Transistoren maßgeblichen Anteil.

 
Symphonic Line: handcrafted in germany, Deutschland